Kuba, Vibes und gute Onkels

In letzter Zeit war soviel Rummel um Onk Lou in den österreichischen Medien, dass ich mir beim Schreiben dieses Album-Reviews wie ein Spätzünder vorkomme. Dabei wage ich zu behaupten, dass eigentlich ich Onk Lou entdeckt habe! Zumindest für Vorarlberg. Denn bereits im Januar 2017 als ich im Conrad Sohm auf Granada wartete, stahl sich die eindringliche Stimme des Support-Acts in mein Ohr.

Zottelbart, Gartenzwerg, Ninja …

Ich weiß gar nicht, wieviele Beschreibungen von Lukas Weisers Äußerem ich inzwischen gelesen habe. Aber ehrlich? Unwichtig. Ob der Mann klein oder groß ist, interessiert wenig. Er hat eine riesige Stimme und mit dieser Stimme und ein paar Instrumenten hat er sein Debutalbum „Bogus“ aufgenommen. Dazu hat er noch einige hübsche Videos gedreht. Auf Kuba. Wo auch sonst?

„Weil’s ein schönes Plätzchen ist und den richtigen Vibe für die Songs hatte“,

verrät mir Onk Lou. Dessen Künstlername übrigens zurückgeht bis in seine Schulzeit, wo er viel Blödsinn gemacht und ständig Geschichten erzählt hat, weshalb seine Mitschüler ihn zum Geschichten-Onkel ernannt haben. 

Falschgeld und geile Interludes

Im Conrad Sohm begeistert er mich mit Stimme, Sound und Melodien. Ich kenne keinen einzigen Song, habe aber das Gefühl, das sollte sich dringend ändern. Seine Musik in eine Schublade zu stecken fällt mir ehrlich gesagt schwer. Es rockt, es ist bluesig, hin und wieder auch funky … und dann höre ich in das neue Album und es kommt noch mehr dazu: etwas Karibik-Flair („In the Morning“), ein Hauch Rock’n’Roll („Physical“) und kubanisches Vogelgezwitscher beim Interlude zu „Drum Stick Move“. Drei der Songs besitzen ein kurzes Vorspiel, das auf den eigentlichen Song vorbereitet. „Ziemlich proggy und geil“ findet das Onk Lou. Ich auch. 

Und was oder wer ist jetzt Bogus?

Onk Lou gibt mir ein wenig Geschichtsunterricht: falsch geprägte Münzen nannte man im 18. Jhdt. „bogus coins“. Für ihn ist es ein Sinnbild für das Leben an sich. Alles hat zwei Seiten, Gut und Böse.

„Mit Bogus möchte ich der Dinge gedenken, die uns von Zeit zu Zeit vorgesetzt werden, mit denen wir uns aber nicht anfreunden können. Sie treiben uns an uns zusammenzutun, um für die gute Sache zu kämpfen, in die Welt hinauszugehen, das Leben zu leben und den Widrigkeiten ins Gesicht zu lachen“,

erzählt Lukas Weiser, der lieber unterwegs als zuhause ist. Zuhause ist er übrigens in Niederösterreich und die letzten Jahre auch in Wien. Ganz schön viel tiefsinnige Gedanken für ein Album, das beim ersten Hineinhören einfach nach Sonne, Sommer, Sonnenschein und Cuba Libre klingt. Aber so hat vielleicht auch dieses Album zwei Seiten: Eine, deren Melodien uns fröhlich vor uns hinpfeifen und mit den Hüften wackeln und eine andere, die uns über die Texte und das Leben nachdenken lässt. Und ja, die Stimme kratzt in den Ohren. Gut so. Fenster auf, Musik aufdrehen, Sonne reinlassen!

Onk Lou: Bogus

Onk Lou: BOGUS

Meine Anspieltipps:

  • 2 – A 1000 Voices
  • 4 – Drum Stick Move
  • 6 – Physical

Findest du auf iTunes, Deezer & Co. – und natürlich beim Händler deines Vertrauens!

Tourdaten etc. findest du auf Onk Lou’s Facebook– und Webseite.

Und das brandneue Video von Onk Lou ist jetzt auf youTube:

Text: Judith Riemer, Die Bloggerin
Foto Credits: Bernhard Kaufmann